Rezensionen Bamberg und in der Region

17.11.2009 - Fränkischer Tag

Ein Frühlingstag im Herbst

KONZERT Die Bamberger Symphoniker musizierten zwischen Überschwang und Verinnerlichung. Der Schweizer Cellist Christian Poltéra überzeugte mit müheloser Virtuosität.

 

Bamberg - Als hätte die Intendanz der Bamberger Symphoniker bereits bei der Programmlegung geahnt, dass der trübe November an diesem Wochenende durch fast frühlingshafte Tage unterbrochen wird,wurde in der Konzertreihe E ein musikalischer Reigen dargeboten, der wohl kaum belebender und frischer hätte sein können.

 

Mit einem Jugendwerk von Hans Werner Henze aus dem Jahr 1947, der Sinfonie Nr. 1, wurde der Nachmittag eröffnet. Man spürt in dieser Komposition noch die Auseinandersetzung des Komponisten mit der Zwölftontechnik, aber auch Anklänge an den Neoklassizismus, wenn auch Henze sich in späteren Jahren einer stilistischen Einordnung bewusst entzog. Zwischen die beiden Ecksätze, die von grellen Klängen und springenden Tonreihen geprägt wurden, fügte sich ein verinnerlichtes, warmes Notturno, in dem die Solovioline ein träumerisches Thema vortrug. Die sehr kompakte, kontrastreiche Sinfonie öffnete wirkungsvoll die Sinne für die nachfolgenden Werke.

 

Sicher hat das Joseph-Haydn-Gedenkjahr dazu beigetragen, die ewig jungen Kompositionen des großen Klassikers in den Mittelpunkt zahlreicher Musikveranstaltungen zu stellen. Ein Glanzlicht in dieser Hinsicht bot die Interpretation des 2.Konzertes für Violoncello D-Dur durch Christian Poltéra.

 

Tänzerischer Charakter

 

Bereits im eröffnenden Allegro moderato wurden die sehr hohen technischen Ansprüche des Werkes deutlich, die der Schweizer Cellist mit scheinbar mühelosem Spiel vergessen ließ. Seine schlanke, weiche, und in den höchsten Lagen noch raumfüllende Tongestaltung brachten selbst in den rasantesten Läufen und Doppelgriffen den empfindsamen, tänzerischen Charakter des Werkes zum Ausdruck. Dem innigen Adagio folgte mit großer Fulminanz das für jeden Solisten reizvolle Rondo-Finale. Wie wohltuend war es da, dass Poltéra seine mitreißende Virtuosität nicht zum Selbstzweck darbot, sondern in sympathischer Bescheidenheit in den Dienst der Komposition stellte. Ganz in diesemSinne rief die als Zugabe dargebrachte Sarabande aus der Cello-Suite Nr. 3 von J.S. Bach zur weltentfernten Verinnerlichung auf.

 

Recht weltnah kontrastierte dazu die Serenade Nr.1 D-Dur op. 11, die Johannes Brahms als eines seiner ersten Orchesterwerke, im gleichen Jahr wie sein Klavierkonzert Nr. 1 komponierte. Doch während in jenem schon die ureigene „brahmsische“ Gedankenschwere zum Ausdruck kommt, überrascht die Serenade mit jugendlichem, musikantischem Überschwang und deutlichen Anklängen an die klassischen Vorbilder des Komponisten.

 

Der pastoral beginnende erste Satz lässt anBeethovens 6. Sinfonie erinnern, die nachfolgenden Scherzi und Menuette an Mozart und Haydn, doch in der beinahe kammermusikalischen Ausgefeiltheit dringt die Brahms eigene Tonsprache immer wieder durch. So durften im Allegro molto und dem Adagio non troppo die Streicher breit schwelgen, während in den miteinander verwobenen Menuetten des 4. Satzes die brillierenden Bläsergruppen eine hauchzart schwebende Stimmung herauf beriefen.

 

Dirigent als Sympathieträger

 

Man könnte meinen, dieses Werk sei dem jüngst ernannten ersten Gastdirigenten der Bamberger Symphoniker, Robin Ticciati, auf den Leib geschrieben, der trotz seiner jungen Jahre bereits ein sehr hohesMaß an Souveränität zeigt. Ticciati eignet sich ganz spürbar auch als Sympathieträger, doch viel maßgeblicher soll seine musikalische Reife bewertet werden, die durch seine unbekümmerte Frische glücklich ergänzt wird. Nicht nur das Orchester nimmt diesen Impetus dankbar auf, auch die Zustimmung des Publikums beweist, das dieser Dirigent hier gerne gehört wird.

 

Arnulf Sowa

 

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