22.10.2011 - Fränkischer Tag

"Das ist eine Mahler-Offenbarung"

ORCHESTER Wenn heute irgendwo auf der Welt der Name Bamberg fällt und einen guten Klang hat, dann hat das unmittelbar mit den Symphonikern und ihrem Chefdirigenten Jonathan Nott zu tun. Was man auch an ihren vielfach preisgekrönten Einspielungen ablesen kann.

 

"Die vergangenen fünf Jahre muten an wie die finale Steigflugphase in die internationale Liga, in welcher die Bamberger Symphoniker nunmehr souverän ihre Runden um die Welt drehen werden.“Was Ulrich Ruhnke im April 2008 in der Fachzeitschrift „Das Orchester“ feststellte, lässt sich nicht nur festmachen an all den ehrenvollen Einladungen zu Gastspielen, Tourneen und Festivals. Sondern auch an den CD-Einspielungen, mit denen die Musiker und ihr Chefdirigent von Publikum und Fachwelt gefeiert werden.


Es kommt nicht von ungefähr, dass die Bamberger Symphoniker am Donnerstag bei ihrem 500. Konzert unter Jonathan Nott Symphonien von Franz Schubert und Gustav Mahler aufgeführt haben. Werke der beiden Komponisten waren mit ein Schwerpunkt der bisherigen Zusammenarbeit. Der komplette Schubert-Zyklus liegt inzwischen auch in einer chic gestylten Box vor, die Mahler-Symphonien sind seit dem Sommer zwar schon komplett eingespielt, aber noch nicht alle im Plattenladen zu haben: Das schweizerische Label Tudor hat bisher die Symphonien 1, 2, 3, 4, 5 und 9 herausgebracht, die prompt mit namhaften internationalen Preisen ausgezeichnet wurden – allen voran die Neunte, die sich 2009 das „Toblacher Komponistenhäuschen“ eroberte und 2010 bei den Midem Classical Awards in Cannes den Preis für die beste Einspielung einer Symphonie holte.


Als jüngste Neuerscheinung ist im Sommer Gustav Mahlers Symphonie Nr. 3 erschienen, mit der Mezzosopranistin Mihoko Fujimura als Gesangssolistin, dem Knabenchor des Bamberger Domchors und demhauseigenen Frauenchor. Kritiker im In- und Ausland überschlagen sich seither in ihren Lobeshymen. So stellte Edward Seckerson in der Oktoberausgabe der britischen Fachzeitschrift „Gramophone“ die Aufnahme in eine Reihe mit den viel gerühmten Einspielungen von Leonard Bernstein und Riccardo Chailly: „Gut Ding will Weile haben: Aber jetzt gehört auch JonathanNott in jede Liste der führenden Mahler-Dirigenten. Er braucht dazu kein Orchester mit übergroßem Namen ins immer lautere Fortissimo zu drängen. Stattdessen präsentiert er tief durchdachte Interpretationen. Und was ist das Ergebnis? Eine der fesselndsten Mahler-Gesamteinspielungen der jüngeren Zeit.“


Auch David Nice feierte die CD jetzt im Musikmagazin der BBC unter anderem wie folgt: „Ein Engländer, der sich mit einem deutschen Orchester in die TopTen derMahler-Einspielungen katapultiert, klingt das nicht erwartbar? Aber diesmal müssen Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker die Goldmedaille Jonathan Nott und seinen Bamberger Symphonikern überlassen, für deren dritte Rate in ihrem Mahler-Zyklus. (…) Nott widmet sich nicht nur aufmerksam jeder Dynamik in dieser außergewöhnlichen Partitur wie Rattle, Leonard Bernstein oder Claudio Abbado, die gleich im Eröffnungssatz mit echten Extremen aufwartet, sondern sogar mit einem noch größeren Pluspunkt: eine Räumlichkeit, die jedes Ensemble und Solo gleichsam vergeistigt widerhallen lässt. Das ist schon beim ersten herrlichen Hörnerschall erkennbar – bis hin zur unendlich erscheinenden Tiefe der wahrlich und durchgehend noblen Pauken am Ende.“


Und die „Neue Zürcher Zeitung“ konstatierte am 26. August, dass es staunenswert sei, was da in Bamberg heranwachse: „Nott hält sich strikt an die Partitur,weshalb jedesDetail intuitiv richtig gewählt erscheint. Das gilt auch für die Ausgestaltung der Instrumentalfarben und der klanglichen Dramaturgie. Da ist der vierte Satz mit dem Alt-Solo (…): In der ersten Oboe (Kai Frömbgen) und im Englischhorn (Zsófia Magyar) erklingen rufartige Motive, die Mahler de facto als Glissandi dachte. Die Partitur vermerkt: ,Ritardando – hinaufziehen. Wie ein Naturlaut‘; im Autograf charakterisiert Mahler diesen Naturlaut als Vogel der Nacht. Derart stufenloswaren diese Glissandi noch auf keinerAufnahme zu hören. Diese CD ist nicht nur ein Höhepunkt innerhalb des Bamberger Mahler-Zyklus, sondern ein bedeutsamer Beitrag zur Mahler-Interpretation.“

 

Geradezu euphorisch unter anderem auch die Kritik in der August-Ausgabe der Fachzeitschrift „Rondo“, wo Christoph Braun betont, dass die Bamberger Symphoniker „in diesem ihrem (erneut mit famosen Tontechnikern gesegneten) Mahler-Zyklus zu den weltbesten Orchestern zählen“. Und schon zuvor heißt es: „Jonathan Nott vergegenwärtigt die denkbar disparaten Schichten schlichtweg kongenial. Das grell Verzerrte, Irdisch-Hässliche scharf dissonierender Bläser bringt er ebenso ungeschönt zurGeltungwie das sehnsuchtsvoll Transzendente der atemberaubend geschmeidigen Streicherkantilenen.“ Und wie sich Nott im D-Dur-Finale „in die vierfachen Steigerungswellen geradezumeditativ versenkt und alles in eine orgiastische Explosion von Licht und Farbe münden lässt, das ist eine Mahler-Offenbarung“.

 

Monika Beer

 

 

Zum Jubiläumskonzert von Jonathan Nott in Bamberg

 

Die Bamberger Symphoniker und den Bayerischen Rundfunk verbindet seit ihrer Gründung eine enge Zusammenarbeit. Sie schlägt sich nieder in unzähligen Konzertmitschnitten und Studioproduktionen sowie in Platten und CD-Aufnahmen, die seit 1992 beim schweizerischen Label Tudor herauskommen.

 

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks: „Die Bamberger Symphoniker und der Bayerische Rundfunk, das ist eine enge Verbindung mit langer Tradition. Seit den Tagen Joseph Keilberths und Horst Steins haben wir eine gemeinsame Erfolgsgeschichte geschrieben. Das letzte Kapitel wurde maßgeblich von Jonathan Nott gestaltet. Für den BR hat er neben seinen bedeutenden Mahler-Interpretationen ein umfangreiches Repertoire erschlossen.


Wladek Glowacz, Leiter der schweizerischen Tudor Recording AG: „499 Konzerte, in Bamberg und in vielen Sälen rund um den Globus: und nun die große Nummer 500 in Bamberg, mit Symphonien von Franz Schubert und Gustav Mahler, Musik, die uns ganz besonders verbindet. Dazu ganz herzliche Glückwünsche aus der Schweiz, und ebensolchen Dank an Jonathan Nott, die Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie und an den Bayerischen Rundfunk für das Vertrauen und die Zusammenarbeit.“

 

www.infranken.de