Bamberg ist eine Stadt mit Geschichte und Geschichten. Bei einem Spaziergang durch die verwinkelten Gassen der Altstadt oder hinauf zur ehemaligen Benediktinerabtei St. Michael lauert hinter jeder Ecke eine Anekdote, birgt jedes der Häuser, die im Laufe der Zeit immer wieder ihr Gesicht verändert haben und sich doch irgendwie treu geblieben sind, sein eigenes kleines Geheimnis. Jedes Gebäude, vom Dom bis zur Dorfschenke, ist Zeuge einer lebendigen, sich bewegenden Stadt und der Ideen und Visionen seiner Bewohner. Hinter der barocken Fassade von St. Jakob zum Beispiel versteckt sich die einzige fast vollständig erhaltene romanische Kirche Bambergs, die wie so vieles andere im Zuge einer barocken Baulust im 18. Jahrhundert überformt wurde. Auch das Alte Rathaus, das auf Pfählen inmitten der Regnitz steht und die Verbindung zwischen der Altstadt im sogenannten Sandgebiet und der Neustadt auf der Insel darstellt, wurde von Bambergs Bürgern immer wieder erneuert und erweitert.
Aber wann ging es los mit der Geschichte Bambergs? Die erste eindeutige urkundliche Erwähnung des „Castrum Babenberch“ auf dem heutigen Domberg findet sich schon Anfangs des 10. Jahrhunderts in der Chronik des Geschichtsschreibers Abt Regino von Prühm (840-915). Den eigentlichen Grundstein für die Stadt aber legte Heinrich II., der nach dem Tod von Kaiser Otto III. zum deutschen König gewählt wurde. Heinrich gründete 1007 das Bistum Bamberg und initiierte den Bau des Kaiserdoms, in dem er nach seinem Tod begraben wurde. Der Heinrichdom wurde übrigens durch zwei Brände zerstört. Der neue Dom, wie er auch heute noch auf einem der sieben Hügel Bambergs thront, wurde erst im Jahr 1237 geweiht.
Zunächst beherrschte die fürstbischöfliche Bergstadt Bamberg, doch allmählich bildete sich am „Sand“ eine Bürgersiedlung aus, die heute noch das Zentrum der Altstadt ist. Als zentrale Wirtschaftszweige entwickelten sich die Gärtnerei, aus der neben dem Anbau von Gemüse und Samen auch das lange Zeit wichtigste Exportprodukt, die Süßholzwurzel, hervorging, und natürlich die Bierbrauerei. Zwar ist die Anzahl der Bierbrauer mittlerweile um einiges geschrumpft, aber immerhin gibt es auch heute noch zehn Privatbrauereien in der Stadt und im alteingesessenen „Schlenkerla" kann man wie damals echtes Bamberger Rauchbier genießen.
Die Jahre zwischen 1450 und 1650 brachten schwierige Zeiten für Bamberg. Streitigkeiten zwischen den beiden Machtzentren, der fürstbischöflichen auf der einen und der bürgerlichen auf der anderen Seite, Bauern-, Markgrafen- und Religionskriege, Pest und Hexenverfolgungen zerstörten den Wohlstand der Stadt. Am Ende des 30jährigen Kriegs war die Bevölkerung von 12 000 auf 6900 geschrumpft und viele der beschädigten Gebäude lagen brach.
Erst das 18. Jahrhundert brachte unter den Bischöfen Lothar Franz und Friedrich Karl von Schönborn neuen Glanz. Die finanzielle Misere wurde in Angriff genommen und es kam zu einem regelrechten Bauboom, während dessen die gesamte Stadt dem neuen barocken Geschmack angepasst wurde. Im Zuge der Säkularisierungsprozesse fiel das Hochstift Bamberg an Bayern, und im 19. Jahrhundert hinterließ die Industrialisierung auch hier ihre Spuren. Das Bevölkerungswachstum wurde enorm beschleunigt, und um 1900 zählte man bereits 42 000 Einwohner.
Im 2. Weltkrieg hatte Bamberg Glück im Unglück. Mit einer Zerstörung von weniger als 5 % seiner Gebäude ist es vergleichsweise glimpflich davongekommen. 1993 dann ernannte die Unesco die Bamberger Altstadt, die ihre Faszination bis heute nicht verloren hat, zusammen mit anderen europäischen Städten wie Prag, Salzburg und Krakau zum Weltkulturerbe.
Und die Geschichten? Nun, da wäre beispielsweise die von Otto I., Kanzler unter König Heinrich IV., der ihn 1102 zum neuen Bischof von Bamberg ernannte. Da die Bamberger von seiner Wahl zunächst wenig angetan waren, dachte sich Otto eine ausgefallene Taktik aus, die Bürger für sich zu gewinnen: Kurz entschlossen wanderte er von der Stelle, an der man den Dom zum ersten Mal aus der Ferne erblicken kann, zur Domburg. Barfuß. Im Winter. Bei tiefem Schnee.
Oder die Geschichte von E.T.A. Hoffmann, der für nur kurze Zeit Musikdirektor des Bamberger Theaters war, nach einer katastrophalen Premiere jedoch wieder entlassen wurde, um das empörte Publikum zu beruhigen. Und dann wäre da natürlich noch das Geheimnis des Bamberger Reiters...
Aber am besten kommen Sie einfach selbst vorbei und gehen Bambergs Geschichte und Geschichten auf eigene Faust auf den Grund. Wir freuen uns auf Sie!