bamberger symphoniker

extraordinary city.
extraordinary orchestra.

Herbert Blomstedt
© Martin U.K. Lengemann

Herbert Blomstedt, Ehrendirigent

»Die Bamberger Symphoniker sind ein Ausnahme-Orchester. Man kann nicht anders als sie bewundern und lieb haben. Ich komme immer wieder gern in die zauberhaft schöne Stadt Bamberg und werde jedes Mal aufs Neue überrascht, wie ganz wunderbar hier Musik gemacht wird, mit einer Gelassenheit, Natürlichkeit und Frische, die heute immer seltener wird. Und in allem schwingt ein Unterton von Glück und Dankbarkeit mit. Dankbarkeit darüber, dass es solche Musik, alt und neu, gibt und dass gerade diese auserwählten Menschen, die sich gegenseitig inspirieren und befruchten können, sich zusammengefunden haben, um sie aufzuführen. Diese Eigenschaften machen das Besondere dieses Orchesters aus. Wer Ohren hat, hört es. Und wer es noch nicht gehört hat, ihm und ihr steht ein neues Erlebnis bevor. Musik berührt unsere Seele und macht uns erst so recht zu Menschen.«

Herbert Blomstedt
© Martin U.K. Lengemann

Im Namen Bruckners

Auf die Frage, wie man sich bis ins hohe Alter geistige und körperliche Beweglichkeit bewahren könne, haben Künstler unterschiedliche Strategien entwickelt. Dem Tänzer und Impresario Paul Szilard, Partner der berühmten Nora Kaye, sei es nach eigenem Bekunden durch spezielles Essen gelungen, hundert Jahre alt zu werden: nie Gebratenes, keine Soßen, nur Gedünstetes. Der Jazzpianist Hank Jones blieb durch eine für seine Zunft eher untypische Askese spielerisch agil: ohne Rauchen, Alkohol und sonstige Laster. Der Dirigent Sir Georg Solti musste nichts weiter tun, als seinen Beruf ausüben: »Dirigieren hält jung, es ist mein tägliches Jogging.« Womit er natürlich nicht nur die körperliche Seite seiner Profession im Blick hatte, sondern vor allem auch die geistige Flexibilität. Soltis Ansicht könnten viele Dirigenten unterschreiben, die in einem Beruf ohne Pensionsgrenze nicht nur lange aktiv bleiben, die im Alter zudem noch zu besonderen künstlerischen Leistungen oder gar Höhepunkten ihrer Karriere fähig sind. Zu ihnen gehört auch Herbert Blomstedt, der auf dem Podium offenbar noch immer sein Alter zu transzendieren vermag – wie Stanisław Skrowaczewski, Sir Neville Marriner, Georges Prêtre und Michael Gielen, alle um die neunzig oder schon darüber hinaus und keineswegs im Ruhestand. Herbert Blomstedt, Jahrgang 1927, ist zudem der älteste Dirigent, der jemals am Pult der Bamberger Symphoniker gestanden hat. Zu unserem Orchester hat der in Amerika geborene Schwede Blomstedt ein besonders inniges Verhältnis entwickelt, das 1982 begann und auf zahlreichen gemeinsamen Auslandstourneen vertieft wurde.

Im Jahre 2006 hat ihn das Orchester deshalb auch, damals erst als dritten Kapellmeister in der Geschichte des Ensembles, zum Ehrendirigenten gewählt. Mit Herbert Blomstedt werden die Bamberger im Herbst dieses Jahres Werke von Beethoven, Schubert und Bruckner auf eine ausgedehnte Tournee mitnehmen, die insgesamt 10 Konzerte umfasst, eines davon in Wien, zwei in Seoul und weitere in fünf japanischen Städten, davon drei Konzerte in Tokio. Zu einem der Höhepunkte wird es für das Orchester, vor allem aber für den ausgewiesenen Bruckner-Dirigenten Herbert Blomstedt dann wohl im Juli 2017 kommen, eine Woche nach dem 90. Geburtstag unseres Ehrendirigenten, wenn Anton Bruckners fünfte Symphonie nicht nur im Bamberger Kaiserdom, im Würzburger Dom und in der Basilika von Niederaltaich erklingen wird.

Als ganz besonderer Saisonabschluss und spätes Debüt auch für Herbert Blomstedt wird das Werk am 22. Juli in der Kirche des Augustiner Chorherrenstifts von St. Florian erklingen, in jenem Stift, das untrennbar mit dem Leben und Wirken des Komponisten Anton Bruckner verbunden ist und in dessen Krypta er auch begraben liegt. In der Stiftspfarre Ansfelden wurde er 1824 geboren, in St. Florian hat er früh schon als Sängerknabe seine musikalische Prägung erhalten, und von 1848 an hat er als Stiftsorganist daselbst seine ersten bedeutenden Kompositionen geschaffen. Auch später hat der strenggläubige Bruckner von Linz oder Wien aus immer wieder den Ort seiner Jugend und ersten künstlerischen Erfolge aufgesucht, dabei stets das Zimmer 4 am Prälatengang des Stifts bewohnt, das heute den Ehrennamen »Brucknerzimmer« trägt und noch immer als Gästezimmer fungiert.