bamberger symphoniker

extraordinary city.
extraordinary orchestra.

© Marian Lenhard

Raphael Lambacher

Bereits kurz nach meiner für mich mühelosen und ebenso erfolgreichen Geburt erkannte meine liebe Mutter in meinem lautstarken Gekrähe mein fundamentales musikalisches Talent, was mich, der noch nicht mal brabbeln konnte, zum »Domspatzen« vorbestimmte. Den Weg dorthin ebnete mir der Besuch eines Musikkindergartens in meiner Heimatstadt München. Dort mit »Orff´schem Schulwerk« früh bereits für die tieferen Gefilde musikalischer Abläufe sensibilisiert, wurde schnell klar, daß ich einer Karriere als Schlagzeuger eher entsagen werde, sollte ich doch zu meinem Verdruss meist die blöden Klanghölzer anstatt des begehrten melodiösen Xylophons bedienen. Bis zu meinem vorbestimmten Eintritt bei den »Regensburger Domspatzen« trällerte ich meist harmlose Liedchen zur Freude der Verwandtschaft und klimperte, eher verträumt als konsequent, auf dem häuslichen Steinway herum. In Regensburg alsdann erschien es meinen Mentoren praktischer,  mir die herumliegende Geige meines Opas mitzugeben, was zu frühen Unterrichtungen der Violine durch einen gewissen Herrn Kula führte, welcher aus Prag (!!!) stammte. Die Unterweisungen fruchteten derart erfolgreich, daß man mich 9-Jährigen Sängerknaben zu »Jugend musiziert-Wettbewerben« schickte, was sehr schön und ebenso erfolgreich war, hatte ich doch in der Zeit schulfrei. Sowohl sängerisch als auch humanistisch herangereift, verbrachte ich viele Sonntage im Dom zu Regensburg, dort im roten Talar Choräle in Neumen- und Mensuralnotation singend. Die »Choral-Schwarte« wog mindesten zwei Pfund, gut für die statische Schulter-und Armmuskulatur. Derart erstarkt verließ ich, seelisch und körperlich unbeschädigt, das Internat mit Eintritt meiner stimmlichen Mutation. Zurück in München besuchte ich 15-jährig als Hospitant das dortige Konservatorium, wuchs immer mehr in die Länge, was mich auf Rat des damaligen Violinlehres mit Beginn des Vollstudiums zur Viola wechseln ließ. Nach erfolgreichem Abschluss dieses Studiums gewährte man mir noch ein Jahr sogenannte »Meisterklasse«, während der ich dann mein Probespiel in Bamberg gewann. Dieser Umstand stellt den derzeitigen Höhepunkt meiner musikalischen Laufbahn dar. Und das alles nur, weil ich als Säugling so laut krähen konnte. Was hätte nicht noch alles aus mir werden können…si tacuisses...