bamberger symphoniker

extraordinary city.
extraordinary orchestra.

Lisa Batiashvili
© Anja Frers DG

Apollinisch: Die Geigerin Lisa Batiashvili

Solche Karrieren liebt die Öffentlichkeit. Wie jene von Lisa Batiashvili, einer markanten Erscheinung unter den jüngeren Geigerinnen auf internationalen Konzertpodien. Die Georgierin aus München hat mit zwei Jahren angefangen Geige zu spielen, eine Sechzehntelgeige mit einer Saite zwar nur. Aber immerhin! Mit vier Jahren stand sie zum ersten Mal auf der Bühne, mit zwölf wurde sie Studentin an der Hamburger Musikhochschule und mit sechzehn gewann sie den zweiten Preis beim renommierten Sibelius-Wettbewerb in Helsinki.

Lisa Batiashvili
© Anja Frers DG

Danach gehörte sie zu einer erstaunlichen Phalanx junger Geigerinnen, die nur so aus dem Bühnenboden schossen. Auf einmal war von Julia Fischer und Hilary Hahn, Chloë Hanslip und Alina Pogostkina, Sarah Chang und Baiba Skride, Janine Jansen, Patricia Kopatchinskaja, Arabella Steinbacher und eben auch von Lisa Batiashvili die Rede. Alle jung, alle schön und alle hochbegabt: ein Medienereignis.

Die Phalanx schien immer größer zu werden und auch das Staunen über so viel Talent in einem solchen Alter. Wie kann jemand schon mit zwölf Jahren den knorrigen Beethoven verstehen und angemessen interpretieren? Wie schafft man es als Teenager, Bachs Sonaten und Partiten – den Mount Everest der Violinliteratur – ohne Sauerstoffmaske zu bezwingen und unbeschadet in die musikalische Wirklichkeit zurückzukehren? Dass neben großer Begabung auch glückliche Umstände, Disziplin und nochmals Disziplin, vor allem aber Fleiß dazu gehören – der Komponist Jacques Ibert sprach nicht umsonst von einem Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration als Mischungsverhältnis für geniale Taten –, war viel zu prosaisch für die Öffentlichkeit, als dass man sich mit einer solchen Erklärung begnügen wollte.

Lisa Batiashvili ist heute Mitte dreißig und eine etablierte Künstlerin an der Spitze ihrer Zunft: eine große Geigerin, aber Gott sei Dank keine Stargeigerin. Stargeiger sind möglicherweise berühmt, aber angesehen in ihrer Haltung zur Kunst wie zur künstlerischen Profession sind die großen Geiger. Lisa Batiashvili kommt aus einem hochmusikalischen Elternhaus, das hat ihren Start erleichtert. Sie hat selbst eine große Begabung und eine unbezwingbare Neigung zur Musik und zu ihrem Instrument mitgebracht. Das waren die Voraussetzungen für ihre bisher schon überaus erfolgreiche internationale Karriere.

Aber wenn man sie auf der Bühne erlebt, sie spielen hört oder Interviews mit ihr verfolgt und nicht zuletzt ihre politischen Ansichten erfährt, dann lernt man eine Persönlichkeit kennen, die neben ihren bewundernswerten musikalischen Fähigkeiten den Sinn für die Realitäten unserer Zeit und das rechte Verhältnis zwischen Kunst und Leben nicht aus den Augen verloren hat. In ihrer natürlichen Erscheinung und wachen Sensibilität, der Klarheit ihrer Kunst wie ihrer Ansichten, besitzt sie geradezu etwas Apollinisches: harmonisch, ausgeglichen, maßvoll. Der Pianist Alfred Brendel hat ihr vor fünfzehn Jahren schon ein künstlerisches Reifezeugnis ausgestellt, als er sie mit Beethovens Violinkonzert hörte: »Phantasie und Kontrolle, Wärme und Überlegenheit, Strenge und Flexibilität hielten sich die Waage.«

Bamberg wird Lisa Batiashvili im März 2017 in einer »langen Nacht der Kammermusik« erleben können, unter anderem mit dem Streichsextett »Souvenir de Florence« von Piotr I. Tschaikowsky. In einem weiteren Konzert wird sie mit Dvořáks Violinkonzert a-Moll zu hören sein, außerdem in den Doppelkonzerten für Violine, Oboe und Orchester von Johann Sebastian Bach und Thierry Escaich. Dabei wird man auch den Klang ihrer Guarneri del Gesù bewundern können, deren Charakter sie so beschrieben hat, als würde sie von sich selbst sprechen: »Das Instrument kann einfach alles. Und es ist nicht kapriziös. Es ist einfach da, und ich kann mich ganz auf die Musik konzentrieren.«