bamberger symphoniker

extraordinary city.
extraordinary orchestra.

Applaus
© Peter Eberts

Das Zugabenprojekt der Bamberger Symphoniker

Ein Orchester wie die Bamberger Symphoniker kommt auf seinen zahllosen Konzertreisen regelmäßig in die Verlegenheit, dass das begeisterte Publikum eine Zugabe fordert. Für diesen Zweck gibt es eine Reihe unverwüstlicher Stücke, die dann aus der Notentasche geholt werden: Slawische oder Ungarische Tänze von Dvořák oder Brahms, Walzer von Johann Strauß und vieles mehr. So gerne wir sie spielen und so gern das Publikum sie immer wieder hört – manchmal können wir sie einfach nicht mehr hören. Auch gibt es Werke der symphonischen Literatur, die es nicht erlauben, allzu »Banales« als Zugabe anzuhängen. 

Ende Mai 2014 fiel so der Startschuss für ein Projekt, das unser Orchester die nächsten Jahre begleiten wird: Wir haben einer Reihe von zeitgenössischen Komponisten die Aufgabe gestellt, für unser Orchester eine Zugabe zu schreiben – ein wirklich populäres Stück, das es am Ende eines Konzertabends mit den Ohrwürmern von Dvořák, Brahms und Strauß aufnehmen kann. Die Frage also, ob es einen Weg gibt, dieses Konzertritual im 21. Jahrhundert neu zu beleben, und ob zeitgenössische Musik auch – im besten Sinne – Gebrauchs- und Unterhaltungsmusik sein kann.

In der vierten Spielzeit in Folge brechen wir das Ritual der Zugaben auf, indem wir etwas Neues, Zeitgenössisches präsentieren anstelle des Altbekannten. So sind Werke entstanden, die allesamt fünf Minuten Dauer nicht überschreiten, die versuchen, zeitgenössische Kompositionen in einem ungewöhnlichen Kontext zu hören: nicht als das »schwierige« Werk vor der Pause oder zu Konzertbeginn, sondern als das Sahnehäubchen nach dem offiziellen Programm. Und immer wieder funktioniert es, bleibt es spannend, wenn der Applaus nicht enden will und dann alle Ohren im Publikum ein Werk erlauschen, das die Welt noch nicht gehört hat.

Für unser Publikum wie auch für unser Orchester erschließt sich also Jahr für Jahr ein großer Querschnitt durch die aktuelle Szene der Neuen Musik – zwar homöopathisch dosiert, erfahren wir dennoch aktuell, was es heißt, sich heutzutage mit dem Anspruch des Konzertpublikums auf gebildete Unterhaltung auseinanderzusetzen.

15 Zugaben sind in den vergangenen Jahren entstanden – Musik ganz unterschiedlicher Natur, spannende Stücke, virtuose, witzige, nachdenkliche, die den Beweis erbringen, dass zeitgenössische Musik auch kurzweilig sein und neben den traditionellen Zugaben-Stücken von Dvořák oder Brahms bestehen kann.

In Saison 2017/2018 folgen nun drei weitere »encores«: von Thomas Daniel Schlee, Jörg Widmann und Walter Zimmermann.