bamberger symphoniker

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Konzert

Sa
12
Dez 26

Semyon Bychkov

Abo D
Bamberg, Konzerthalle, Joseph-Keilberth-Saal
20:00 Uhr

»Alles spricht, wenn er sein Orchester in Bewegung setzt.« Das war 1790 die Meinung von Ernst Ludwig Gerber in seinem »Historischbiographischen Lexikon der Tonkünstler« über die Kompositionen von Joseph Haydn. Das emotionale Zentrum der 44. Symphonie ist das Adagio, weshalb sie mit dem Begriff »Trauer« versehen wurde. Die Rahmenteile sind jedoch ganz anders gestaltet: Ein leidenschaftlicher Satz zu Beginn und ein Finale mit einer furiosen Dynamik. Dazu passt wunderbar der folgende Musikrausch von John Adams: »Frenzy« heißt übersetzt »Raserei« – und so klingt dieses manisch um eine melodische Wendung kreisende Stück von 2023 auch. Der Komponist schrieb in einem Kommentar, dass das titelgebende Wort für ihn das »überwältigende Gefühl« zusammenfasse, »das sich einstellt, wenn wir die aktuelle Welt um uns herum betrachten – vor allem, wie sie sich uns in unserer täglichen Dosis digitaler Nachrichten und Informationen präsentiert«. Zum Abschluss spielen wir ein Meisterwerk, in dem die Bewegung des Zuhörers – oder besser gesagt: des Betrachters – sogar explizit in Töne gegossen wurde: Die »Bilder einer Ausstellung«, ein Stück, über das Mussorgski 1874 während des Schaffensprozesses äußerte, dass ihm die »Klänge und Gedanken« regelrecht zugeflogen seien. Zwischen den zehn Musikgemälden platzierte er die populäre »Promenaden«-Melodie – so als würde sich jemand in einer Galerie von Bild zu Bild bewegen. Die Darstellung des großes Tores von Kiew mit dem festlichen Glockengeläut am Ende des Werkes war ursprünglich als mythologisch-historische Referenz gedacht – in der aktuellen geopolitischen Situation steht es nun auch für die Standhaftigkeit der ukrainischen Hauptstadt.

Semyon Bychkov Dirigent

Joseph Haydn Symphonie Nr. 44 e-Moll Hob. I:44 »Trauer-Symphonie«
John Adams »Frenzy: a short symphony«
Modest Mussorgski »Bilder einer Ausstellung« (Orchesterfassung: Maurice Ravel)